BDD-Direktvertriebskongress 2017 in Berlin

Mehr als 180 Gäste feierten im Estrel Berlin das 50-jährige Jubiläum des Branchenverbandes.

Am 10. und 11. Oktober 2017 fand in Berlin der vom Bundesverband Direktvertrieb Deutschland e.V. (BDD) veranstaltete Direktvertriebskongress statt. Geschäftsführer, Vorstände und Mitarbeiter der Mitgliedsunternehmen waren gekommen, um über die Aufnahme neuer Mitglieder abzustimmen, sich über rechtspolitische Themen zu informieren und branchenrelevante Entscheidungen zu treffen. Zudem waren Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft geladen, die dem Verband zum Geburtstag gratulierten. Denn es wurde das 50-jährige Jubiläum des Verbandes gefeiert, der sich nun seit einem halben Jahrzehnt als Hüter des fairen und seriösen Direktvertriebs versteht. 

Gleich zu Beginn der Veranstaltung gratulierte mit einer Videobotschaft Dr. Jörg Mittelsten Scheid, Ehrenvorsitzender des Beirats der Vorwerk & Co. KG. Als Gründungsmitglied des Arbeitskreises „Gut beraten - Zu Hause gekauft“ erinnerte er sich noch gut an die Gründe, einen Interessenverband für den Direktvertrieb ins Leben zu rufen: „Wir wollten uns damals von den unseriösen Direktvertrieben absetzen.“ Zudem seien die Gründungsmitglieder immer wieder von politischen Entscheidungsträgern darauf hingewiesen worden, dass man über den Direkt-vertrieb zu wenig wisse, resümierte Mittelsten Scheidt.

Auch Günther Oettinger, EU-Kommissar für Haushalt und Personal, schickte einen Videogruß. Hier betonte er, dass der Direktvertrieb bei den Veränderungen im Handel im letzten Jahrzehnt als Gewinner hervorgegangen sei. Oettinger konstatierte: „Der Direktvertrieb ist im Trend“ und ist zudem „ein bedeutender Motor“ im europäischen Binnenmarkt.

Im Anschluss daran hielt Staatssekretär Thorben Albrecht vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales einen Vortrag über die Veränderungen in der Arbeitswelt und die soziale Situation von Selbständigen, in dem er auf die Problematik der sozialen Absicherung für Selbständige einging. Auch er sieht die Forderungen des BDD, Selbständige bei den Sozialabgaben stärker zu entlasten, als berechtigt an.

Wie in jedem Jahr war einer der wichtigsten Tagesordnungspunkte die Aufnahme neuer Mitgliedsunternehmen. Die Mitglieder stimmten positiv ab über die Aufnahme von Pierre Lang (Schmuck) und HA-RA (Reinigungsprodukte). „Der Verband hat pünktlich zu seinem 50-jährigen Jubiläum die Marke der 50 Mitgliedsunternehmen erreicht und sogar überschritten“, verkündete stolz BDD-Vorstandsvorsitzender Jochen Acker. „Wir freuen uns sehr darüber, dass immer mehr Unternehmen die Arbeit des Verbandes schätzen und sich mit uns gemeinsam für einen fairen und seriösen Direktvertrieb einsetzen.“ Auch die kürzlich aufgenommenen Mitglieder MBR, Captain Tortue (beide Bekleidung), Unitymedia NRW (Telekommunikations- und Medienprodukte), Berendsohn (Werbe- und Geschenkartikel) und Optidee (Homing-Produkte) sind seit 2017 neu im BDD und stellten sich den Teilnehmern in kurzen Präsentationen vor. Als neues 

Vorstandsmitglied wurde Dieter Freisler, Vorstandssprecher der WIV Wein International AG, gewählt. Er ersetzt Dr. Johannes Pieroth, der nach mehreren Jahren als BDD-Vorstandsmitglied aus persönlichen Gründen zurückgetreten ist. „Ich möchte mein Know-how mit dem BDD teilen und mit Ihnen den Verband weiterentwickeln“, kommentierte Herr Freisler das positive Wahlergebnis.

„Gemeinsam stark“ hieß die Podiumsdiskussion zu den Mehrwerten des Verbandes, die von Prof. Peter Voß, Intendant SWR a.D. moderiert wurde. Seinen Fragen stellten sich Gerald Heydenreich, Geschäftsführer von Pippa&Jean, Dr. Reiner Münker, geschäftsführender Vorstand von der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs und Vorsitzender der BDD-Kontrollkommission, sowie Dr. Rolf Schommers, Geschäftsführer von HEIM & HAUS. Die Diskussionsteilnehmer tauschten sich rege über ihre Erfahrungen mit der Unterstützung des Verbandes aus und waren sich einig darüber, dass die Mitgliedschaft im Verband bedeutet, Lauterkeit zu leben und fair zu sein; gegenüber dem Kunden, dem Vertriebspartner und unter den anderen Direktvertriebsunternehmen. 

Eine interessante und wegweisende Rede hielt Dr. Andreas Schwab, Mitglied des Europäi-schen Parlaments und binnenmarktpolitischer Sprecher der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, zum Thema „Die Zukunft des europäischen Verbraucherschutzes“. Er gratulierte dem BDD zu seinem Erfolg, sich seit 50 Jahren für die Verbraucherrechte einzusetzen und dies in seinen Verhaltensstandards verankert zu haben. An die Unternehmen gerichtet betonte er, dass diese alles richtig gemacht hätten, indem sie auch in schwierigen Zeiten am richtigen Geschäftsmodell und hohen Verhaltensstandards festgehalten haben.

Über die „Zukunft des Direktvertriebs“ hielt Matthias Horx einen spannenden und mutigen Vortrag. „Da wo Digitalisierung in die Kommunikation eingreift, entmenschlicht sie. Erfolgreicher Direktvertrieb setzt auf Beziehungen“, sagte der Leiter des Zukunftsinstituts. 

Feierlich wurde es zur Verkündung der Gewinner der BDD-Unternehmenspreise 2017. Der BDD ehrt jährlich diejenigen Unternehmen, die die höchste prozentuale Umsatzsteigerung erzielen konnten. In diesem Jahr sind die Unternehmenspreise an Cambridge Weight Plan (Gewinner in der Kategorie kleine Unternehmen), Pampered Chef (mittlere Unternehmen) und PM-International (große Unternehmen) verliehen worden. „Jedes heute geehrte Unternehmen hat sich im letzten Jahr ganz besonders eingesetzt und zum Erfolg der gesamten Branche bei-getragen“, verkündete Jochen Acker zur Verleihung. „Der Verband ist stolz darauf, die innovativen und erfolgreichen Preisträger zu seinen Mitgliedern zu zählen.“ Die drei Unternehmen sind von nun an dazu berechtigt, das neu gestaltete Unternehmenspreis-Logo zu verwenden. 

Herr Prof. Dr. Florian Kraus stellte die Ergebnisse der Marktstudie über die Situation der Direkt-vertriebsbranche 2016 vor. Die Direktvertriebsunternehmen in Deutschland konnten ihren Gesamtumsatz im letzten Jahrzehnt auf 17 Milliarden Euro annährend verdoppeln. „Im Vergleich zum Jahr 2015 stiegen die Umsätze in 2016 um vier Prozent. Dieses gute Ergebnis zeigt, dass die Kunden die Attraktivität und Qualität der Produkte sowie die besondere und individuelle Beratung im Direktvertrieb schätzen“, kommentierte Prof. Dr. Kraus die neugewonnenen Zahlen.

Bereits zum zweiten Mal fanden die BDD-Barcamps erfolgreich statt. In kurzen, von Experten moderierten, Sessions zu den Themen Direktvertrieb in Frankreich, Zukunft des Direktvertriebs, Vertriebspartnergewinnung und Zukünftige Anforderungen an die Vertriebspartner konnten sich die Teilnehmer austauschen und von Erfolgsbeispielen aus der Praxis lernen. 

Mit nun insgesamt 51 Mitgliedern hat der BDD in seinem 50-jährigen Bestehen einen Mitglie-derrekord aufgestellt. Im Jahr 2012 waren es noch 30 Mitglieder.