Gründungszuschuss für Arbeitslosengeld I-Empfänger

Wenn Sie Bezieher von Arbeitslosengeld I sind und die Arbeitslosigkeit durch eine hauptberufliche selbstständige Tätigkeit im Direktvertrieb von mindestens 15 Stunden pro Woche beenden wollen, lesen Sie bitte weiter. Denn in diesem Fall können Sie möglicherweise bei der Bundesagentur für Arbeit den so genannten Gründungszuschuss beantragen. 

Was ist der Gründungszuschuss?

Der Gründungszuschuss ersetzt die frühere „Ich-AG“ sowie das Überbrückungsgeld. Er soll Ihnen für eine Übergangszeit den Lebensunterhalt und die soziale Absicherung gewährleisten, wenn Sie sich eine eigenständige wirtschaftliche Existenz im Direktvertrieb aufbauen wollen, um Ihre Arbeitslosigkeit zu beenden.

Besteht ein Rechtsanspruch auf einen Gründungszuschuss?

Ein Rechtsanspruch auf einen Gründungszuschuss besteht leider nicht. Ob Ihnen ein Gründungszuschuss gewährt wird, liegt vielmehr ausschließlich im Ermessen Ihres Vermittlers bei der Agentur für Arbeit.

Unter welchen Voraussetzungen wird der Gründungszuschuss gewährt?

  • Die Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit kann nur gefördert werden, wenn Sie die Tätigkeit im Direktvertrieb hauptberuflich ausüben. Dies schließt eine Betriebsübernahme oder die Umwandlung einer nebenberuflichen Tätigkeit in eine hauptberufliche Selbständigkeit ein.
  • Bedingung für den Gründungszuschuss ist außerdem, dass Sie tatsächlich arbeitslos sind. Ein direkter Wechsel aus einem bestehenden Beschäftigungsverhältnis in eine hauptberufliche selbstständige Tätigkeit im Direktvertrieb unter Mitnahme des Zuschusses ist nicht möglich. 
  • Um den Zuschuss erfolgreich zu beantragen, müssen Sie bei Aufnahme Ihrer Tätigkeit im Direktvertrieb noch über einen Anspruch auf Arbeitslosengeld von mindestens 150 Tagen verfügen. 
  • Außerdem müssen Sie der Agentur für Arbeit die Tragfähigkeit Ihrer selbstständigen Tätigkeit im Direktvertrieb nachweisen. Hierfür muss eine fachkundige Stelle Ihre Tätigkeit im Direktvertrieb begutachten und bestätigen, dass Ihr „neuer Job“ ein volles Auskommen sichert. Fachkundige Stelle ist zum Beispiel Ihre zuständige Industrie- und Handelskammer, Bank oder Sparkasse, aber auch ein Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer. Beauftragen Sie eine IHK mit der Stellungnahme, die Tragfähigkeit Ihrer selbstständigen Tätigkeit im Direktvertrieb zu bescheinigen, können Sie auf ein Formular zurückgreifen, das beispielhaft für alle IHKs gilt und das wir Ihnen als Demo zum Download zur Verfügung stellen.

    Muster: Gründungszuschuss-Auftrag (PDF)
  • Ferner müssen Sie Ihre persönliche und fachliche Eignung zur Ausübung der selbstständigen Tätigkeit darlegen. Ihrer Fähigkeit, auf „eigenen Füßen“ stehen zu können, können Sie z.B. durch Ihren beruflichen Werdegang oder durch Qualifikationsnachweise belegen.
  • Haben Sie schon früher einen Gründungszuschuss erhalten, müssen sie nach Erhalt der letzten Förderung in der Regel 24 Monate warten. Erst danach ist eine erneute Förderung möglich.

Gibt es Sperrzeiten?

Ja! Haben Sie Ihr bestehendes Arbeitsverhältnis selbst gekündigt, erhalten Sie für die Dauer einer Karenzzeit von drei Monaten keine Förderung.

Muss der Gründungszuschuss beantragt werden?    

Ja! Und denken Sie daran, den Antrag vor Aufnahme Ihrer Selbständigkeit zu stellen und nicht erst, wenn Sie bereits im Direktvertrieb tätig sind. Den Antrag reichen Sie bei der Arbeitsagentur ein, die für Ihren Wohnsitz zuständig ist. Dort erhalten Sie auch die Antragsvordrucke. Sollten Sie umziehen, während Sie den Gründungszuschuss beziehen, teilen Sie die Adressänderung bitte der Agentur, die den Zuschuss bewilligt hat, mit.

Wie hoch ist der Gründungszuschuss und wie lange wird er gezahlt?

Die Förderdauer beträgt bis zu 15 Monaten und ist in zwei Phasen unterteilt:

Phase 1: 300 Euro plus Arbeitslosengeld für die ersten sechs Monate
Mit dem Gründungszuschuss erhalten Sie zur Sicherung des Lebensunterhalts in der ersten Phase Ihrer selbstständigen Tätigkeit einen monatlichen Zuschuss in Höhe Ihres individuellen Arbeitslosengeldes. Zur sozialen Absicherung (Kranken-, Pflegeversicherung, Altersvorsorge) wird zusätzlich eine Pauschale von monatlich 300 Euro gewährt. 

Phase 2: Pauschale von 300 Euro für weitere neun Monate
Nach Ablauf der ersten sechs Monate steht es im Ermessen der Agentur für Arbeit, Ihnen für weitere sechs Monate die Pauschale von 300 Euro im Monat zu zahlen. Vor Beginn der zweiten Phase müssen Sie Ihre Geschäftstätigkeit und Ihre hauptberufliche unternehmerische Tätigkeit im Direktvertrieb gegenüber der Agentur für Arbeit nachweisen. Dazu müssen Sie der Agentur für Arbeit einen aussagekräftigen schriftlichen Bericht über Ihre bisherige Geschäftstätigkeit sowie deren Umfang im Direktvertrieb vorlegen. In dem Bericht sollten Sie Ihre unternehmerischen Aktivitäten der vergangenen Monate darstellen sowie eine Übersicht zu Einnahmen und Ausgaben. Ergänzend dazu kann die Arbeitsagentur weitere Unterlagen anfordern (z.B. Ausblick auf die Entwicklung der nächsten Monate, Übersicht zu den Auftragseingängen oder Bemühungen zum Erhalt von Aufträgen). 

Was gibt es sonst noch zu beachten?

Als Empfänger des Gründungszuschusses sind Sie ein(e) ganz normale(r) Selbständige(r) mit allen Rechten und Pflichten:

  • Zum Gründungszuschuss können Sie beliebig viel dazuverdienen.
  • Sie sind nicht automatisch in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.
  • Sie können sich in Sachen Krankheit und Pflege privat oder bei Erfüllung von Vorversicherungszeiten freiwillig bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichern. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.
  • Bei Vorliegen von Vorbeschäftigungszeiten haben Sie die Möglichkeit, sich freiwillig in der Arbeitslosenversicherung weiter zu versichern. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier. 
  • Ihre Einkünfte müssen Sie selbst versteuern und dazu jedes Jahr die nötigen Steuererklärungen abgeben. Den Gründungszuschuss selbst müssen Sie nicht versteuern.

Was passiert, wenn Sie Ihre selbständige Tätigkeit wieder aufgeben?

Wenn Sie Ihre selbständige Tätigkeit wieder aufgeben, müssen Sie den Gründungszuschuss nicht zurück zahlen. Die Förderung ist nicht erfolgsabhängig. 

Ihr noch bestehender Anspruch auf Arbeitslosengeld I wird in der Regel während der Förderung aufgebraucht, das heißt für jeden Tag, den der Gründungszuschuss zur Sicherung des Lebensunterhalts und der sozialen Absicherung gezahlt wird, verringert sich der Anspruch auf Arbeitslosengeld I um einen Tag. Damit Ihnen der Schutz der Arbeitslosenversicherung in der Zeit Ihrer selbständigen Tätigkeit erhalten bleibt, können Sie sich freiwillig weiterversichern. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.

Hinweis: Die Bundesagentur für Arbeit informiert im Internet über den Gründungszuschuss. Wissenswertes erfahren Sie auch im Existenzgründer-Portal des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie.

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