Arbeitslosengeld II und Selbständigkeit

Darf man als Bezieher von Arbeitslosengeld II einen Nebenjob haben?

Während des Bezuges von Arbeitslosengeld II dürfen Sie grundsätzlich eine selbständige Tätigkeit im Direktvertrieb ausüben. Eine zeitliche Einschränkung der Wochenarbeitszeit gibt es anders als für Arbeitslosengeld I-Bezieher nicht. Sie können Ihre selbständige Tätigkeit also auch länger als 15 Stunden in der Woche ausüben, ohne Ihren Anspruch auf Arbeitslosengeld II zu verlieren. 

In welcher Höhe wird das erzielte Einkommen aus der Selbständigkeit angerechnet?

Wenn Sie Arbeitslosengeld II beziehen, fragen Sie sich aber vielleicht, ob sich eine selbstständige Tätigkeit im Direktvertrieb für Sie lohnt oder mit anderen Worten: in welcher Höhe Ihr Arbeitseinkommen aus selbständiger Arbeit auf das Arbeitslosengeld II angerechnet wird.
Das relevante Einkommen, welches auf das Arbeitslosengeld II angerechnet wird, errechnet sich wie folgt:

Betriebseinnahmen

  • notwendige und anerkannte Betriebsausgaben (z.B. Kosten für den Wareneinkauf, Raumkosten oder Büromaterial)
  • Absetzbeträge
  • Freibeträge

Anzurechnendes Einkommen

Was kann vom Einkommen abgesetzt werden?

Vom Einkommen abzusetzen sind:

  • eventuelle Einkommenssteuervorauszahlungen/-nachzahlungen
  • 100 Euro als Pauschale 
    •  für Beiträge zu privaten Kranken- und Rentenversicherungen von  
       Selbständigen, die von den entsprechenden gesetzlichen 
       Versicherungen befreit sind, sowie zu Kfz-, Hausrat- und ähnlichen 
       Versicherungen
    •  Beiträge zur Riester-Rente
    •  Werbungskosten

Diese Pauschale ist bindend bis zu Einkünften von 400 Euro. Nur wenn Sie mehr verdienen, können Sie alternativ auch die echten Kosten abziehen. 

Welche Erwerbstätigenfreibeträge gibt es?

Vom Einkommen können folgende Erwerbstätigenfreibeträge abgezogen werden, die sich nach der Höhe des Bruttoverdienstes und dem Status kinderlos/nicht kinderlos richten:

  • Einkommen zwischen 100,01 und 1.000 Euro führen zu einem Freibetrag von 20 Prozent. Auf der ersten Stufe kann der Freibetrag also maximal 180 Euro betragen.
  • Für die Einkommensteile, die höher als 1.000 Euro und nicht mehr als 1.200 Euro betragen, entsteht ein weiterer Freibetrag in Höhe von zehn Prozent. Auf der zweiten Stufe kann also höchstens ein Freibetrag von 20 Euro entstehen.
  • Wenn Sie mindestens ein minderjähriges Kind haben, erhöht sich die Obergrenze des Einkommens, aus dem sich der Freibetrag errechnet, auf 1.500 Euro. Entsprechend erhöht sich der mögliche Freibetrag für die 2. Stufe auf 50 Euro.
  • Einkommen oberhalb von 1.200 Euro/1.500 Euro ist für die Freibetragsermittlung nicht zu berücksichtigen.

Beispiel 1:

Sie haben aus Ihrer selbstständigen Tätigkeit ein Einkommen von 600 Euro monatlich erzielt. Angenommen nach Abzug notwendiger und anerkannter Betriebsausgaben beträgt Ihr Einkommen 400 Euro. 

Davon bleiben frei:

  • ein Grundbetrag in Höhe von

100 Euro

  • von 100,01 bis 400 Euro = 300 Euro zusätzlich 20% =

60 Euro


Damit bleiben zusammen anrechnungsfrei:

160 Euro

 

Beispiel 2:

Sie haben aus Ihrer selbständigen Tätigkeit ein Einkommen von 1.400 Euro monatlich erzielt. Angenommen nach Abzug notwendiger und anerkannter Betriebsausgaben beträgt Ihr Einkommen 1.100 Euro. 

Davon bleiben frei:

  • ein Grundbetrag in Höhe von

100 Euro

  • von 100,01 bis 1.000 Euro = 900 Euro zusätzlich 20% =

180 Euro

  • von 1.000,01 Euro bis 1.100 Euro = 100 Euro nochmals 10% =

  10 Euro


Damit bleiben zusammen anrechnungsfrei:

290 Euro

Einstiegsgeld

Neben den oben beschriebenen Freibeträgen bei Erwerbstätigkeit soll das Einstiegsgeld einen zusätzlichen finanziellen Anreiz zur Aufnahme und zum Erhalt einer selbständigen Tätigkeit bieten. Das Einstiegsgeld ist eine staatliche Beihilfeleistung, die bei Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit als Zuschuss zu den Arbeitslosengeld II-Bezügen erbracht werden kann. Das Einstiegsgeld wird ebenfalls nicht auf das Arbeitslosengeld II angerechnet. Näheres zum Einstiegsgeld finden Sie hier.


Stand: 01.01.2012